Project Description

„Ein empfindliches Organ“

Der junge Designer Leonid Sladkevich vom Frankfurter Label ‚leonid matthias‘ hat sich von der Schweinegrippe inspirieren lassen. Mit ihm sprach Jan Küveler.
WELT KOMPAKT: Sie haben diese Saison, pünktlich zur Schweinegrippe, einen Designermundschutz herausgebracht. Der Mundschutz an sich ist hierzulande ja eher von Michaeljackson-Auftritten oder aus Gruppen japanischer Touristen bekannt. Woher nahmen Sie die Idee?
Leonid Sladkevich: Die Mode ist ja ein empfindliches Organ, das heftig und schnell auf alles reagiert, was in der Welt geschieht. Die Schweinegrippe hat sich da gerade zu aufgedrängt. Als es hieß, dass die Leute sich nicht impfen lassen wollen, haben wir uns was überlegt.
-Haben Sie noch weitere Gesundheitdesigns in petto?
Sladkevich: Nein. Das Mundschutzaccessoire war eine Premiere. Bei meinen Stoffen achte ich sehr auf Hautverträglichkeit, nehme nur die beste Baumwolle. Die Maske besteht aus feinem Vlies. Wenn die erste Auflage – 20 Exemplare zu je 49,95 Euro – ausverkauft ist, planen wir übrigens, eine zweite zu machen, vielleicht mit einem anderen Design. Gern personalisieren wir es auch. Schon jetzt gibt es die Maske wahlweise in Schwarz oder Weiß.
-Oh, wie die Produkte von Apple. Und die Maske ist nicht nur ein Modestatement, sondern hilft auch tatsächlich gegen Ansteckung?
Sladkevich: Wir können natürlich keine hundertprozentige Garantie geben. Aber wenn man die Maske vor Mund und Nase trägt, ist das Risiko, sich anzustecken, natürlich geringer. Es empfiehlt sich allerdings auch mit der Maske nicht, alles in der U-Bahn anzufassen und sich dann in der Nase zu bohren.
-Würde die Effektivität eines Mundschutzes denn nicht erst dann voll erreicht, wenn praktisch jeder einen trüge, sie also massenhaft unters Volkgeworfen würde? Das steht natürlich der Idee von Mode entgegen, die ja mehr auf Abgrenzung und Individualisierung setzt.
Sladkevich: Wie gesagt planen wir eine zweite, vielleicht gar dritte Auflage. Da wir allerdings mindestens eine Stunde an einer Maske sitzen, aufs Liebevollste sieben unterschiedliche Paillettenarten und zwei unterschiedliche Perlenarten versticken, wird an ein massenhaftes Unter-die-Leute-Werfen nicht zu denken sein. Generell wär das nicht schlecht, zumal in Ländern, wo das Gesetz verlangt, die Masken bei der Arbeit zu tragen – etwa in meinem Heimatland Russland. Diese Masken sind hässlich. An einer Stelle wie dem eigenen Kopf sollte man etwas Schöneres tragen.
-Tragen Sie Ihre Maske auch selbst?
Sladkevich: Ja! Denn ich traue dem Impfen nicht.